Micro-Living: Krisenfeste Assetklasse mit positiven Zukunftsaussichten

Vom einst belächelten Nischenprodukt hat sich Micro-Living in den vergangenen zehn Jahren zu einer stabilen und – wie sich zuletzt gezeigt hat – durchaus krisenfesten eigenen Assetklasse entwickelt. Entscheidend für den Erfolg von Studenten- und Serviced Appartements gleichermaßen: Eine attraktive, auf die Zielgruppe abgestimmte Lage, innovative Wohnungszuschnitte sowie ein ebenso zu den Bedürfnissen der Nutzer passendes Paket von Service-Angeboten. Denn genau darin liegt der Vorteil dieser Form des Wohnens auf Zeit: Mit dem Einzug lässt es sich sorgenfrei im neuen Zuhause leben. Mieter müssen sich um nichts kümmern, ihnen steht ab Tag eins eine voll ausgestattete Wohnung mit funktionalem Design, WLAN und weiteren Extras zur Verfügung. Sehr häufig zentrumsnah, mit kurzen Wegen zum Arbeits- oder Studienort und einer guten ÖPNV-Anbindung.

Im Unterschied zum klassischen temporären Wohnen im Hotel bietet diese Bleibe jedoch auch den Charme des Eigenen, des persönlichen Rückzugsortes. Nicht erst seit Corona, aber dadurch deutlich verstärkt, nehmen wir zudem eine Veränderung der Arbeits- und Lebenswelt wahr. Zur nach wie vor anhaltenden Urbanisierung kommen flexible Arbeitsmodelle: Zwei Tage Homeoffice bei der Familie im Grünen, drei Tage Büro in der Stadt ist nur eine von vielen Varianten, die derzeit immer stärker gefragt sind. Dies eröffnet flexibleren Wohnmodellen eine große Perspektive. Und es sind längst nicht nur Studenten und Young Professionals, die sich für ein Mikroappartement interessieren. Gerade im Bereich des Mikro-Wohnens für ältere Menschen liegt aufgrund des demographischen Wandels großes Potenzial.

Für Investoren bietet das Segment meist höhere Renditen als im klassischen Wohnbereich, dazu eine solvente Klientel mit einem geringeren Ausfallrisiko. Traumhafte Zustände für Entwickler, Betreiber und Investoren – sollte man meinen. In der Realität kämpfen die Unternehmen jedoch nach wie vor mit überkommenen Bauvorschriften und instabilen Rahmenbedingungen, die langfristige Planungen torpedieren. Viele Marktteilnehmer verfügen über jahrelange Erfahrung im Bau und Betrieb von Mikroappartements und Studentenwohnheimen. Moderne Techniken wie serielles Bauen ermöglichen ressourcenschonende Konzepte und kürzere Umsetzungszeiträume. Gerade in angespannten Wohnungsmärkten kann mit der Errichtung von zielgruppenorientiertem Wohnraum Druck aus dem Markt genommen werden.

Soweit die Theorie. In der Praxis stehen länderübergreifenden Synergien die unterschiedlichen Landesbauordnungen im Wege. Doch damit nicht genug: Von Kommune zu Kommune variieren die Vorgaben für Stellplätze und die Quoten für behindertengerechten Wohnraum. Und genau hier haben Politik und Gesetzgebung aus Sicht unseres Verbandes dringend Nachholbedarf. Micro-Living kann seine Vorteile nur dann ausspielen und zusätzlichen Wohnraum zur Verfügung stellen, wenn die Regulatorien für das Marktsegment der realen Praxis entsprechen. Leerstehende Tiefgaragen, da Studenten lieber Bus und Bahn nutzen, haben damit wenig zu tun. Doch die Zeit zum Handeln ist aus unserer Sicht genau jetzt: Steigende Baukosten und Energiepreise, der Mangel an Bauland und an qualifizierten Fachkräften zwingt uns alle zu einer möglichst effizienten und zielgruppenorientierten Stadtentwicklung, die bereits heute Lösungen für die Probleme von morgen bietet. Flexible Grundrisse, anpassbare Serviceangebote, zentrale Lage und ein genaues Gespür für die Bedürfnisse ihrer Nutzer machen Mikro-Appartements zu einer immer gefragteren Assetklasse. Wir als Branche müssen dafür sorgen, dass die Politik unsere Besonderheiten, aber vor allem auch unsere Stärken wahrnimmt.

Autor: Michael Vogt, Vorsitzender Bundesverband Micro-Living e.V.

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